Nummern und Zahlen

Nummern und Zahlen, Mathematik, Mathekompetenz, Dyskalkulie, Dyskalkulietrainer

Die Hausnummer meiner Trainings-Praxis ist 4. Der Arzt im Haus nebenan hat die Hausnummer 6. Jetzt rechnen wir das mal schnell zusammen: 4+6=10! „…und was soll das jetzt?“, fuhr mich Ina, mit der ich schon einige Zeit arbeite, etwas unwirsch an. Und ob Sie es glauben oder nicht, diese Reaktion löste Freude in mir aus, zeigte sie doch, dass Ina zum einen enorm an Selbstbewusstsein und zum anderen an ihrem mathematischen Sachverstand zugelegt hatte. Vor einem Jahr noch hätte sie die Zahlen ohne Widerspruch brav zusammengerechnet und dazu auch noch zwei Telefonnummern oder die Schuhgrößen ihrer Freundinnen oder alles auf einmal.

Inzwischen hat Ina verstanden: Die Schulmathematik hat einen tieferen Zweck und nicht den, dass Lehrer ihre Schüler ärgern wollen. Es geht nicht darum irgendwie Ergebnisse, sozusagen als Gehirn-Jogging, zu produzieren. Die Mathematik ist ein Werkzeug, mit deren Hilfe man reale Sachverhalte in eine Symbolsprache überführen und quantitativ ergründen kann. Als Resultat erhält man Beschreibungen oder Vorhersagen für die Realität. Zum Beispiel sehe ich auf einem Baum 8 Apfel hängen. Als ich auf dem Rückweg wieder vorbeikomme, hängen nur noch 5 Äpfel da. Mit Hilfe der Mathematik finde ich heraus, dass 3 Äpfel verschwunden sein müssen (8-3=5). Weiterhin kann ich vorhersagen, dass, wenn ich noch zwei davon pflücke, um sie zu verspeisen, am Ende nur noch 3 Äpfel da hängen werden (5-2=3).

Das ist nicht schwer, man braucht keine hohe Intelligenz, aber genau das ist Mathematik. Mathematik ist einfach. Die Größe der Zahlen spielt dabei eigentlich keine Rolle. Wesentlich sollte sein, dass es einen visualisierbaren Bezug zur Realität gibt. Zwei Telefonnummern beispielsweise kann ich mir zwar symbolisch, aber nicht als reale Menge vorstellen, geschweige denn, die Summe derer.

In den Schulbüchern werden Gehirnjogging- und mathematische Aufgaben gemischt präsentiert und leider nicht als solche gekennzeichnet. Einige Schüler verlieren die Differenzierung dieser Disziplinen und letztlich den Sinn dafür Mathematik und Realität immer zusammenhängend zu sehen. Sie sind am Ende nur auf die symbolischen Zahlen und ein zugehörendes Ergebnis fixiert. So rechnen sie ohne Aufbegehren auch folgende Aufgaben:

  • 5 Hunde laufen auf der Straße, zwei Sterne verglühen. Was kommt raus?
  • Ich habe sechs Würfel einer davon zeigt eine 4. Wie ist das Ergebnis?
  • Was ergibt ein Elefant plus zwei Gläser Limonade?

Schulmathematik bekommt einen Sinn erst dann, wenn man die Resultate an der Realität überprüfen kann. Und dann macht es auch Spaß, weil man begreifen kann, was man da rechnet.

 

Geschrieben von:

Frank Haub, Remagen

Zertifizierter Dyskalkulietrainer

http://www.dys-remagen.de/

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