Legasthenie hat nichts mit Intelligenz zu tun – Warum Trumps Angriff auf Legastheniker falsch ist

In den USA sorgt derzeit eine öffentliche Debatte für Aufsehen: Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom hat offen über seine Legasthenie gesprochen – und wurde dafür öffentlich von Präsident Donald Trump angegriffen. Seine Legasthenie wurden als Zeichen mangelnder Intelligenz dargestellt und sogar als Argument verwendet, er sei für ein politisches Amt ungeeignet.

Diese Aussagen zeigen auf erschreckende Weise, wie weit verbreitet Vorurteile und Fehlinformationen über Legasthenie nach wie vor sind – nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Hier finden Sie die Aussage von Präsident Trump auf Instagram:

https://www.instagram.com/reels/DV98BglDnW6

Was ist Legasthenie wirklich?

Legasthenie ist eine biogenetisch bedingte Veranlagung, die die Art und Weise betrifft, wie das Gehirn geschriebene Sprache verarbeitet. Sie hat keinerlei Zusammenhang mit der allgemeinen Intelligenz eines Menschen. Das bestätigen führende wissenschaftliche Institutionen weltweit, darunter das Yale Center for Dyslexia and Creativity und die American Dyslexia Association.

Legasthenie betrifft nach internationalen Schätzungen 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung – das bedeutet, dass allein im deutschsprachigen Raum Millionen von Menschen betroffen sind. Weltweit geht man von rund 780 Millionen Menschen aus.

Legasthene Menschen denken oft in Bildern, erfassen Zusammenhänge ganzheitlich und zeichnen sich durch besondere Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten aus. Genau das beschreibt auch die AFS-Methode, die vom Ersten Österreichischen Dachverband Legasthenie (EÖDL) seit 1996 gelehrt wird: Legasthenie zeigt sich in Bereichen der Aufmerksamkeit, der Funktionen (Sinneswahrnehmungen) und der Symptome (Fehler beim Lesen, Schreiben und Rechnen) – nicht im Bereich der Intelligenz.

Erfolgreiche Menschen mit Legasthenie

Die Liste herausragender Persönlichkeiten mit Legasthenie ist lang und beeindruckend. Sie umfasst Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst:

  • Albert Einstein – einer der bedeutendsten Physiker der Geschichte
  • Steve Jobs – Mitbegründer von Apple und Visionär der Technologiebranche
  • Richard Branson – Gründer der Virgin Group und erfolgreicher Unternehmer
  • Steven Spielberg – einer der erfolgreichsten Filmregisseure aller Zeiten
  • Leonardo da Vinci – Universalgenie der Renaissance
  • Walt Disney – Gründer eines der größten Unterhaltungsimperien der Welt
  • Whoopi Goldberg – Oscar-, Grammy-, Tony- und Emmy-Preisträgerin

Eine Studie der Cass Business School London ergab, dass unter 300 untersuchten erfolgreichen Unternehmern 40 Prozent Legasthenie hatten – das ist eine viermal höhere Rate als in der Gesamtbevölkerung. Gerade die Fähigkeiten, die legasthene Menschen im Umgang mit ihren Herausforderungen entwickeln – Durchhaltevermögen, kreatives Denken, die Fähigkeit, das große Ganze zu sehen – werden als wesentliche Erfolgsfaktoren genannt.

Warum diese Debatte wichtig ist

Wenn öffentliche Persönlichkeiten offen über ihre Legasthenie sprechen, ist das ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung. Es sendet eine klare Botschaft an Millionen betroffener Kinder und Erwachsener: Eine Legasthenie definiert nicht euer Potenzial.

Umso problematischer ist es, wenn Legasthenie in der öffentlichen Diskussion mit mangelnder Intelligenz oder fehlender Eignung gleichgesetzt wird. Solche Aussagen widersprechen nicht nur den wissenschaftlichen Erkenntnissen – sie können auch dazu beitragen, dass betroffene Menschen sich schämen, anstatt ihre Stärken zu erkennen und zu nutzen.

Gouverneur Newsoms Antwort an die betroffenen Kinder und Jugendlichen verdient an dieser Stelle Erwähnung: „An jedes Kind mit einer Lernbeeinträchtigung: Lass dich von niemandem einschüchtern – nicht einmal vom Präsidenten der Vereinigten Staaten.“

Die Arbeit des EÖDL und des DVLD: 30 Jahre im Dienst der Aufklärung

Der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie (EÖDL) setzt sich seit 1996 dafür ein, dass Legasthenie und Dyskalkulie richtig verstanden und betroffene Menschen gezielt unterstützt werden. Mit der pädagogisch-didaktischen AFS-Methode, die von Dr. Astrid Kopp-Duller entwickelt wurde, bietet der EÖDL einen wissenschaftlich fundierten Ansatz, der an den individuellen Stärken und Schwächen ansetzt.

Über 17.000 ausgebildete Legasthenie- und Dyskalkulietrainer in mehr als 64 Ländern arbeiten heute nach der AFS-Methode. Das Fernstudium zum diplomierten Legasthenietrainer ist das weltweit umfangreichste seiner Art und vermittelt das Wissen, das nötig ist, um betroffenen Kindern und Erwachsenen professionell zu helfen.

Der EÖDL und sein deutscher Partner, der DVLD (Dachverband Legasthenie Deutschland), betreiben über 60 Bildungswebseiten und bieten umfangreiche kostenlose und werbefreie Materialien, Übungen und Informationen für Betroffene, Eltern und Pädagogen.

International engagiert sich auch die American Dyslexia Association für die Aufklärung und Unterstützung legasthener Menschen im englischsprachigen Raum.

Fazit: Aufklärung statt Ausgrenzung

Die aktuelle Debatte in den USA zeigt, wie dringend notwendig sachliche Aufklärung über Legasthenie ist – auch im Jahr 2026. Legasthenie ist keine Krankheit, kein Zeichen von Dummheit und kein Hindernis für Erfolg. Sie ist eine andere Art, schriftliche Sprache zu verarbeiten. Nicht mehr und nicht weniger.

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Die Aufgabe einer aufgeklärten Gesellschaft ist es, Menschen mit Legasthenie nicht auszugrenzen, sondern ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um ihr volles Potenzial zu entfalten.

Weiterführende Informationen:


Der DVLD nimmt keine parteipolitische Position ein. Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Aufklärung über Legasthenie und Dyskalkulie.

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