Die Rechtschreibung!

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Seit Jahren schleicht ein Gespenst durch deutsche Grundschulen: “Lesen durch Schreiben”. Die Kinder lernen keine Rechtschreibregeln mehr, sondern dürfen so schreiben, wie sie meinen. So können sie sich kreativ entfalten, heißt es. In der Presse wurde immer wieder auf die desaströsen Folgen dieser Rechtschreibmethode aufmerksam gemacht, zuletzt im Spiegel-Artikel “Die Rechtschreipkaterstrophe”. Der Artikel geht auf die Entstehung sowie Folgen dieser Methode ein. Auch kommen viele Kritiker ans Wort, die dafür plädieren, dass diese Methode umgehend aus deutschen Schulen verbannt wird. Es spricht vieles dafür: Rechtschreibung ist nichts, was Kinder sich selbst beibringen können. Es braucht Regeln und üben, üben, üben. Das klingt nicht sehr spannend, ist aber so. Angesichts 14% funktionaler Analphabeten kann Deutschland sich diese Schlechtschreibung auch nicht länger leisten.
Bedauernswert im Artikel ist nur wie einseitig LRS und Legasthenie dargestellt werden. Es ist so, als wären LRS und Legasthenie identisch. Das ist aber nicht so. Die LRS oder Lese-Rechtschreibschwäche ist erworben. Durch äußere Zustände wie Krankheit, Todesfall, Scheidung oder Unterrichtsmethode kann das Kind die Kulturtechniken nicht oder nicht ausreichend erlernen. Eine Legasthenie dahingegen ist eine genbedingte Problematik im Bereich des Lesens und Schreibens. Die Chromosomen 1, 2, 6, 15 und 18 spielen dabei nachweislich eine wichtige Rolle. Kommen bei einem legasthenen Kind noch äußere Zustände dazu, so wird die Problematik noch verstärkt.
Während es bei einem LRS-Kind reicht, an den Fehlern zu üben, hilft das einem legasthenen Kind nicht. Das Zusammenspiel von Aufmerksamkeits-, Funktions- und Symptomtraining führt zum Erfolg. Methoden wie “Lesen durch Schreiben” tun keinem Kind gut. Es ist nachgewiesen, dass noch mehr Kinder dadurch Schwierigkeiten mit den Kulturtechniken haben. Gleichzeitig fallen legasthene Kinder dadurch noch weniger auf und es dauert entsprechend länger bis sie die Hilfe bekommen, die sie brauchen.
Daher wäre es sehr wünschenswert, dass aus den Ergebnissen verschiedener Studien zu “Lesen durch Schreiben” Konsequenzen gezogen werden: diese Methode soll abgeschafft werden, damit keine LRS-Kinder gemacht werden und legasthene Kinder endlich schneller die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

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4 Kommentare zu “Die Rechtschreibung!
  1. Marion sagt:

    Ja, genau so sieht es aus. Leider wissen bis heute immer noch viel zu wenige Lehrer, was den Unterschied zwischen Legasthenie und einer Lese-Rechtschreibschwäche ist (oder sollen/wollen) es nicht wissen. Eine Änderung der Einstellung oder des Systems würde ja auch einen enormen Aufwand bedeuten. Aber wir bleiben am Ball!! Es gibt doch einige Lehrer, die sich bemühen, dem legasthenen Kind gerecht zu werden. Eigentlich ist ja auch unzumutbar, einem Lehrer bzw. einer Lehrerin auch noch zusätzliche Aufgaben wie z.B. spezielle Unterlagen für legasthene Kinder vorzubereiten. So, dann würde ich mal vorschlagen, dass dies doch einfach für die ganze Klasse so vorbereitet wird. Das macht im Ganzen nicht mehr Mühe. Der Unterricht kann dann auch noch interessanter gestaltet werden, wenn man binnendifferenziert unterrichtet. So kann jeder auf seinem Niveau arbeiten. Und nicht zu vergessen: Was immer an erster Stelle stehen sollte, ist natürlich die MOTIVATION. Oft fehlt dies den Schülern, um überhaupt weiterzukommen. Es ist nur ein kleines Wort, ein Lächeln, ein “Du schaffst das schon”, was einen Schülern enorm, wenn auch erst in kleinen, aber festen Schrittchen, weiterbringen kann.

  2. Maike Klein sagt:

    Liebe Stephany, kannst Du mir die Artikel mal komplett zuschicken. Ich habe so viel mit Grundschullehrern zu tun, dass ich ihnen gern mal was KONKRETES in die Hand drücken möchte. Im hohen Norden kennt kaum jemand den Unterschied zwischen LRS und Legasthenie, ich möchte Deine Veröffentlichungen nicht einfach so kopieren. Außerdem bringen der Spiegel einiges auf den Punkt 🙂 Vielen Dank Maike

  3. Maike Klein sagt:

    Ich meinte natürlich bringt der Spiegel… Finger schneller, als alles andere. 😉 Maike

  4. Astrid Kalantzis sagt:

    Hallo, seit Tagen sitze ich auf meinen Fingern…eigentlich habe ich keine Lust mehr, diese Diskussionen zu führen. Dennoch: “Es spricht vieles dafür: Rechtschreibung ist nichts, was Kinder sich selbst beibringen können.” Lesen durch schreiben ist Anfangsunterricht, der kreative Umgang mit gesprochener und geschriebener Sprache. Nicht mehr und nicht weniger….bei den meisten meiner Kinder setzt das Gefühl für die Richtigschreibung der Wörter nach wenigen Wochen ein und dann erlernen sie auch die Rechtschreibung.
    ” Daher wäre es sehr wünschenswert, dass aus den Ergebnissen verschiedener Studien zu “Lesen durch Schreiben” Konsequenzen gezogen werden: diese Methode soll abgeschafft werden, damit keine LRS-Kinder gemacht werden und legasthene Kinder endlich schneller die Hilfe bekommen, die sie brauchen.” Der Marktanteil von Lesen durch Schreiben beträgt 2 % …ich bitte euch.
    Unsere Schule ist stolz, dass wir seit vielen Jahren fibelunabhägig unterrichten und auf der gestrigen Konferenz haben wir für 4 LRS Kinder von 270 , einen Beschluss gefasst! Ich bin bei Studien, die von Schulbuchverlagen gemacht werden immer sehr skeptisch, denn es geht um ein Millionengeschäft!

2 Pings/Trackbacks für "Die Rechtschreibung!"
  1. […] Seit Jahren schleicht ein Gespenst durch deutsche Grundschulen: “Lesen durch Schreiben”. Die Kinder lernen keine Rechtschreibregeln mehr, sondern dürfen so schreiben, wie sie meinen. So können sie sich kreativ entfalten, heißt es. In der Presse wurde immer wieder auf die desaströsen Folgen dieser Rechtschreibmethode aufmerksam gemacht, zuletzt im Spiegel-Artikel “Die Rechtschreipkaterstrophe”. Der Artikel geht auf die Entstehung sowie Folgen dieser Methode ein. Auch kommen viele Kritiker ans Wort, die dafür plädieren, dass diese Methode umgehend aus deutschen Schulen verbannt wird. Es spricht vieles dafür: Rechtschreibung ist nichts, was Kinder sich selbst beibringen können. Es braucht Regeln und üben, üben, üben. Das klingt nicht sehr spannend, ist aber so. Angesichts 14% funktionaler Analphabeten kann Deutschland sich diese Schlechtschreibung auch nicht länger leisten. Bedauernswert im Artikel ist nur wie einseitig LRS und Legasthenie dargestellt werden. Es ist so, als wären LRS und Legasthenie identisch. Das ist aber nicht so. WEITERLESEN […]

  2. […] Hausaufgaben aber nicht gemacht, denn LRS und Legasthenie sind zwei ganz unterschiedliche Sachen. Daher hat der DVLD e.V. dazu eine Stellungnahme gemacht: Die Rechtschreibung. Kaum hatte sich dieser Sturm ein wenig gelegt, waren die Social Media schon wieder voller Häme. […]

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